Reiseblog: IOI 2016 in Kazan

Die Internationale Informatik-Olympiade 2016 fand in Kazan, Russland statt. Hier geht's zum Blog!

Daniel Graf
News
IOI 2016 Logo

Vom 12. bis 19. August 2016 werden Daniel Rutschmann aus Andelfingen (Kantonsschule im Lee, ZH), Stefanie Zbinden aus Glarus (Kantonsschule Glarus, GL), Pascal Sommer aus Ittigen (Gymnasium Hofwil, BE) und Joël Mathys aus Hünenberg See (Kantonsschule Zug, ZG) die Schweiz an der Internationalen Informatik-Olympiade in Kazan, Russland vertreten.

Hier werden wir fortlaufend über unsere Erlebnisse vor Ort berichten.

Täglich vorbeischauen lohnt sich!

Reiseblog

Flight to DME

Hinflug nach Moskau Domodedowo.

6. August: Hinflug nach Moskau

Als wir am Nachmittag in Moskau aus dem Flugzeug stiegen, begrüsste unser Taxifahrer Victor uns bei sonnigen 30ºC. Die Fahrt vom Flughafen Domodedowo zu unserem Apartment im Zentrum von Moskau dauerte rund eine Stunde. Während der Fahrt erzählte uns Victor was der Zusammenbruch des Kommunismus für die Leute in Moskau bedeutete und gab uns einige Reisetipps mit auf den Weg. Die Übergabe des Apartments war komplett auf russisch, aber mit den vereinten Russischkentnissen von Pascal und Daniel und der Zuhilfenahme von Händen und Füssen konnten wir auch das erfolgreich hinter uns bringen. Als wir uns in unserem geräumigem Apartment eingerichtet hatten, war es bereits spät und wir machten uns auf den Weg das erste mal russisch zu essen. Am Abend spielten wir Kartenspiele und gingen etwas früher ins Bett um uns von der Reise zu erholen.

IOI 16 Team im Kreml in Moscow

Das Schweizer Team im Innern des Kremls in Moskau.

7. August: Kreml

An unserem ersten Tag in Moskau besichtigten wir den Kreml. Hinter der hohen roten Mauer gab es viel zu sehen. Hunderte Kanonen Napoleons, eine riesige Kanone der Zaren und zahlreiche Kirchen mit gewaltigen Ikonostasen und Wandmalereien. Nach einer Kartenspielpause vor dem Kreml-Palast und Zmittag im Alexandergarten flüchteten wir vor der Hitze über die Moskwa in den Repinskiy-Park. Abends spazierten wir dann der Moskwa entlang, vorbei am riesigen Denkmal für Peter den Grossen, der Tretyakov-Galerie in den Gorki Park. Dort gab es feine Pelmeni, Krim-Kuchen und andere russische Köstlichkeiten und genügend Platz für eine Partie Frisbee auf dem Heimweg.

8. August: Arbat

Der Arbat ist eine der berühmtesten Strassen in Russland, da sie im 19. Jahrhundert den Wohnort vieler Künstler bildete. Wir besuchten einige Souvenierläden, betrachteten die alten Gebäude und trafen viele Karikaturisten an in dieser Strasse. Am Nachmittag kamen wir nochmal am roten Platz vorbei, bevor wir uns in Richtung der staatlichen Universität von Moskau bewegten. Diese befindet sich auf einem Hügel ausserhalb des Stadtzentrums, von wo aus wir eine sehr schöne Aussicht über Moskau während dem Sonnenuntergang hatten. Die Universität selbst ist eine der “Sieben Schwestern”, die im Auftrag Stalins in Moskau erbaut wurden.

Soviet Rocket in VMDH

Sowjetische Rakete auf dem Ausstellungsgelände VDNH in Moskau.

9. August: Kosmonautenmuseum

Am Dienstag Morgen machten wir uns mit der Metro auf zum Kosmonautenmuseum. Dort bestaunten wir die sowjetische Pioniersarbeit der Weltraumfahrt und konnten den Nachbau einer russischen Rakete in Lebensgrösse betrachten. Auf dem Ausstellungsgelände der VDNH, dem “sowjetischen Versailles”, verbrachten wir den Nachmittag mit dem Kartenspiel Mao, spielten Frisbee und endeckten ein Robotermuseum. Zwischen tanzenden, sprechenden und boxenden Robotern experimentierten wir auch mit Virtual Reality Brillen. Gegen Abend besuchten wir erneut den roten Platz und probierten im angrenzden GUM typisch russische Gerichte wie den Hering im Pelz.

IOI16 Team on the red square in Mosow

Das Schweizer IOI-Team auf dem roten Platz in Moskau.

10. August: Weiterflug nach Kasan

Am Mittwoch reisten wir von Moskau nach Kazan, der Hauptstadt von Tatarstan und Austragungsort der diesjährigen IOI. Um noch etwas mehr von Kazan zu sehen, sind wir als eine der ersten Delegationen bereits ein paar Tage vor der Eröffnungszermonie angereist. Anschliessend bezogen wir unser Hotel und machten uns auf eigene Faust auf Kazan zu erkunden. So erblickten wir bereits die berühmte Kul-Scharif-Moschee bei Sonnenuntergang.

11. August: Tag in Kasan

Nachdem wir am Morgen gemütlich ausgeschlafen haben, gingen wir auf eine Erkundungstour durch Kasan. Bei einem alten Monument, dass für die Gefallenen der Belagerung von Kasan in 1552 errichtet wurde, trafen wir ein paar Bauarbeiter, die sich um die Renovation des Gebäudes kümmerten. Wie sich herausstellte, bieten sie Touristen oft Gratisführungen durch das Monument an, die wir uns nicht entgehen liessen. Im Monument sahen wir viele Portraits von Heiligen. Im Späteren Verlauf unseres Spazierganges stiessen wir auf ein schwimmendes Restaurant, wo wir einen Stop für das Mittagessen einlegten. Nach einem entspannenden Nachmittag im Hotel gingen wir in einem tatarischen Restaurant Abendessen. Die Wartezeit verkürzten wir uns, indem wir den olympischen Athleten am Fernsehen zuschauten.

IOI 2016 Team

Ankunft auf dem Gelände der IOI 2016.

12. August: IOI-Start

Heute trafen wir in der IOI Unterkunft an und lernten unsere Guide kennen. Auch trafen wir einige Teilnehmer, die wir an der IMO (Mathematikolympiade) oder beim Davos-camp getroffen hatten. Nebst vielem Frisbee-spiel gab es noch eine „hello russia“ feier, an dem einige traditionelle Tänze gezeigt wurden.

13. August: Eröffnungszeremonie

Heute konnten wir den Trainingsraum besichtigen und einen Probecontest schreiben. Zum Schreck stellten wir fest, dass man keine Esswaren an der Prüfung mitnehmen durfte. Am Nachmittag fand schliesslich die Opening ceremony statt, bei der wir nicht einmal Kartenspiele spielten sondern fast unnatürlich brav ausharrten und zuschauten. Am Abend dann war Quarantäne und jegliches Signal zur Aussenwelt verboten. So spielten wir mit den sich selbst als genial und super bezeichnenden Österreichern einige Kartenspiele und gingen dann früh schlafen, um für den Contest fit zu sein. Aufzeichnung der Eröffnungszeremonie

14. August: Erster Wettbewerbstag

Live-Ranking des Wettbewerbes

Contest Hall at IOI 2016

Wettbewerbshalle der IOI 2016.

Heute war auch schon der erste Contesttag angesagt. Mit nur einigen Stiften und unserem Badge bewaffnet, eigenes Essen, sowie Uhren waren strikt untersagt, machten wir uns auf den Weg zur Contesthalle. Während 5 Stunden versuchten wir 3 Aufgaben verschiedenster Schwierigkeit zu bewältigen: So gelang es zwar, jeweils ein analysierbares Molekül zu bauen, doch die Konstruktion einer möglichst aufregenden Achterbahn hatte das ganze Team überfordert. Ebenso scheint die Planung einer möglichst zeitsparender Abkürzungsstrecke auf einem linearen Strassennetz mit mehr als 400 Städten geradezu unmöglich. Der Contest verlief einwandfrei und man bekam immer innert weniger Minuten die Rückmeldung zu seinen Einsendungen. Obschon die meisten sehr erschöpft waren, war am Nachmittag dennoch ein Ausflug geplant: Zuerst erkundigten wir Kazans Kreml und am Abend bekamen wir eine Livevorstellung traditioneller tartarischer Musik.

15. August: Exkursion nach Kazan und das Sabantui Festival

Zwischen den beiden Wettbewerbstagen gab es einen freien Tag um wieder Energie zu tanken. Nachdem wir gestern den alten Teil von Kazan gesehen haben, rückte heute das neue Kazan in der Vordergrund. Die Exkursion am morgen fand unter dem Moto “Sports in Kazan” statt. Zuerst machten wir eine Bustour durch Downtown Kazan und schauten und die verschiedenen Sport Stadien an, die für die Olympiade in 2013 gebaut wurden. Anschliessend hatten wir die Gelegenheit entlang der Promenade des Kazankas auch selber noch etwas Sport zu treiben. Mit verschiedenen Fortbewegungsmitteln, wie Rollerblades, Velos und Tretautos lieferten wir uns mit verschieden Nationen ein Rennen. Am Nachmittag wurden auf dem Gelände unserer Unterkunft das Sabantui Festival — ein tatarischer Feiertag — nachgestellt. Wir konnten diverse traditionelle Sport Wettkämpfe wie Sackhüpfen oder das Fangen von Fischen mit blossen Händen ausprobieren. Am Abend wurden wir dann wie bereits vor zwei Tagen unter Quarantäne gestellt während die Leiter bis spät in die Nacht die Aufgaben für den zweiten Tag übersetzen durften.

16. August: Zweiter Wettbewerbstag

Live-Ranking des Wettbewerbes

Nachdem wir uns gestern ein wenig ausruhen konnten, waren wir auch bereit für den zweiten Contest. Heute ging es darum, ein Rätsel mit den gegebenen Hinweisen möglichst fertig zu lösen, ein verbugtes Bitset zu debuggen und den Aliens helfen, alle Sehenswürdigkeiten der Umgebung möglichst effizient zu fotografieren. Wir empfanden die Tasks als deutlich einfacher als jene am ersten Tag, der einzige unmögliche Subtask war der letze des Aliens-Tasks, für welchen man auf magische Art und Weise ein 2-dimensionales Dynamisches Programm auf eine einzige Dimension reduzieren konnte. Nach dem Contest assen wir unser Mittagessen und bekamen bereits von unseren Leadern die Resultate: Stefanie Zbinden errang eine Silbermedaille und Daniel Peter Rutschmann erkämpfte sich sogar Gold, was noch kein Schweizer bisher an der IOI erreicht hat. Nachdem wir uns dem ganzen Nachmittag ausgeruht hatten, entschieden wir uns, um diese Medaillen zu feiern, auswärts in einem Restaurant zu essen.

17. August: Exkursion nach Sviyazhsk und Innopolis

Nach unserem erfolgreichen zweiten Wettbewerbstag hatten wir nun die Gelegenheit ganz enspannt unsere zwei letzten Exkursionen zu geniessen. Am Morgen ging es nach Swijaschsk, eine Inselstadt ca. 30km enfernt von Kazan. Im Jahre 1551 liess Iwan der Schreckliche diese Stadt innert 4 Wocher aus Teilen, die in Uglitsch vorgefertigt und die Wolga hinab verschifft worden waren, erbauen um dann von dort aus seinen Angriff auf Kazan auszuführen. Am Nachmittag besichtigten wir die Universität in Innopolis. Ausser der Universität hatte es in Innopolis gar nicht viele Gebäude. Die Stadt wurde vor ca. 4 Jahren auf dem Reissbrett entstanden und ist in einer Sonderwirstchaftszone um eines Tages eine Metropole für Informatik zu werden. Wir hörten uns einen Vortrag an und besuchten eine Ausstellung über Robotik.

IOI 2016 Team

August 18: Schlussfeier

Der Vormittag des letzten IOI-Tages war sehr ruhig. Die Leiter berieten in einer langen Sitzung darüber wie sich die IOI in Zukunft verändern soll und die Teilnehmer jassten mit den australischen Teilnehmern auf ihrem Zimmer. Am Nachmittag folgte dann die pompöse Schlussfeier in der gläsernen ‘Pyramide’ in der Innenstadt. Die Schlussfeier war voller Musik, Tanz, Beatboxing, Reden und natürlich den gut 150 Medaillen. Stefanie Zbinden durfte ihre Silbermedaille und Daniel Rutschmann seine Goldmedaille in Empfang nehmen, bevor die IOI-Flagge an die iranische Delegation übergeben wurde, welche die IOI 2017 in Teheran organisieren wird. Mit einem grossen Goldregen wurde die IOI 2016 offiziell beendet.

The Swiss IOI team in front of the Kazan Kremlin

Video der Eröffnungs- und Schlussfeier

Im Anschluss folgte der Fototermin mit den Teams aus aller Welt und ein grosses Abschiedsessen. Wir feierten und diskutierten noch bis weit in die Nacht, bevor wir am nächsten Morgen die Heimreise nach Zürich antraten. Dass uns in Zürich bereits ein grosses Empfangskomitee mit Kuhglocken und Apéro erwartete, freute uns ganz besonders!